Schmiedebesteck


Nein, ein Schmiedebesteck ist nicht dazu da, dass der Schmied die Schweinshaxe zivilisiert zerteilen kann!

 

Das Schmiedebesteck bezeichnet ein paar Hilfsmittel, welche es ermöglichen das Schmiedefeuer in der Esse zu steuern.

 

Eigentlich sieht das in jeder Schmiede ungefähr gleich aus. Die Fertigung des Bestecks ist auch eine gute Schmiedeübung, wenn du gerade mit dem Schmieden beginnst. 

 

Um die Kohle ans Feuer zu bringen ist eine Schaufel wichtig. Du kannst hier natürlich irgendeine Blechschaufel nehmen, wirst aber recht schnell feststellen, dass deine Hände mit dem kurzen Griff recht nah ans Feuer geraten, deshalb "Griff so lang wie möglich".

 

Da ich ja die Steinkohle zum "Ausgasen" an den Rand des Feuers platziere, muss die Kohle ja dann irgendwann auch rein ins Feuer . Dies machst du mit einem Feuerhaken.

 

Tja, und dann war da noch was mit Wasser. Das Zeug, mit dem ich den Verlauf und die Höhe der Temperatur steuere. Gleichzeitig ermöglicht es mir die Steinkohle zu einer Höhle zu stabilisieren. Experimentiere einfach mal ein wenig mit den Elementen in der Esse rum, dann bekommst du ein Gespür für das Zusammenspiel von Feuer, Wasser, Luft und Erde.

 

Wichtig! Irgendwie ein großes Feuer hinzubekommen ist jetzt nicht so die große Kunst. Ein Schmiedefeuer ökonomisch, umweltschonend und passend zum Werkstück zu führen ist schon eine Kunst! Das Feuer sollte so klein wie möglich und so groß wie nötig geführt werden.


Von links nach rechts:

  • Schlackemeisel / Haben das Teil aus einem alten Ventilschaft gebastelt. Benutzen es zur Entfernung von hartnäckiger Schlacke in unserer Holzkohle-Esse.
  • Löschhammer / Sieht wie ein Salzstreuer am Stiel aus. Damit lässt sich Wasser gleichmäßig auf das Feuer aufbringen
  • Löschwedel / Benötigt man in bestimmten Situationen mehr Wasser, dann benutzen wir dieses Hilfmittel. Eignet sich auch zum Rausputzen der Esse  :-) .
  • Feuerspieß / Wird zum durchstoßen der Kruste verwendet, die sich bei der Steinkohle durch die Teer- und Lehmanteile bildet. Dient auch dazu den Lufteinlass von Schlacke zu befreien.
  • Kohleschieber / Dient dazu große Mengen Kohle auf der Esse zu bewegen. Eignet sich auch gut im Umgang mit Holzkohle
  • flacher Feuerhacken / Hiermit bewege ich die Kohle in, auf und neben der  Feuerschüssel. Hiermit lässt sich auch gut die zähflüssige Schlacke aus dem Brennraum entfernen.
  • Kohleschaufel / Der Name erklärt sich wohl von selbst :-)

Schmiede sind manchmal ein wenig seltsam, vielleicht schon mal aufgefallen ;-)  

 

Schmiedest z.B. einen Damast reicht ein winziger Fehler und nach wochenlanger Arbeit bricht die Klinge beim Härten und du wirst verrückt. Du raufst dir die Haare und suchst den Fehler und findest ihn nicht.

 

Das was uns heute immer mal passiert, haben schon die ersten Schmiede der Weltgeschichte erlebt. Für diese Schmiede war ihre Kunst immer auch noch was mythisches, nicht nur was technisches. Vieles war noch nicht erklärbar, deshalb haben sich unterschiedliche Rituale entstanden, um die bösen Geister abzuhalten. In der christlichen Kultur hat sich das Ritual des Kreuzlegens entwickelt. Nach getaner Arbeit legt der Schmied das Schmiedebesteck als Kreuz über die gereinigte Esse. So wird verhindert, dass der Teufel über den Rauchabzug in die Schmiede kommt und das Tageswerk sabotiert und zunichte macht.

 

Ich halte das mal wie der berühmte Wissenschaftler Gauß. Er lehnte Aberglaube kategorisch ab, weil es sich nicht beweisen lässt. Als er einmal gefragt wurde, warum er den über der Eingangstür ein Hufeisen hängen hat, antwortete er : " Es hat mir noch keiner beweisen können das es nicht hilft...!"

 

Bevor wir also dem Teufel freie Bahn gewähren, legen wir lieber das Kreuz. Und, was soll ich sagen, es kommt sehr selten vor das mal was nicht funktioniert :-)


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