Damaszener-Stahl / Laminieren

Messer aus wildem Damast
Messer aus wildem Damast

Du interessierst dich für Messer? Ja, dann hast du sicher schon mal den Begriff  "Damast" gehört.

 

Aber, was ist Damaszener-Stahl genau?

 

Ein richtiger Damaszener-Stahl besteht aus mehreren Eisen-Stahl-Schichten, welche durch wiederholtes Falten und Feuerverschweißen verbunden wurden. Am Besten stellt man sich das so vor, wie bei der Herstellung von Blätterteig.

 

Warum macht man sich aber diesen Aufwand? Muss doch einen weiteren Grund haben als nur, dass es schön aussieht, oder?

Richtig, es hat einen ganz praktischen Grund!

 

In den Anfängen der Eisenverarbeitung wurde das Eisen in sogenannten Rennöfen gewonnen. Hierbei wurde das Eisenerz stark erhitzt und dabei schmolz das begleitende Gestein und rann im Ofen nach unten. (Daher auch der Begriff Rennofen, kommt von rinnen!)

Übrig bleibt dann so etwas wie ein "Eisenschwamm", die sogenannte Luppe.

Mit dieser Luppe kannst aber nicht viel anfangen. Diese lässt sich von Hand zerbrechen, also gänzlich "Schwertuntauglich".

Um die Luppe in richtigen gebrauchsfähigen Stahl umzuwandeln, geht es ab in die Schmiedeesse.

Heiß machen, Hämmern, Falten, Feuerverschweißen, und das Ganze wieder von vorne.

Na, macht es "Klick"? Hört sich doch an wie Blätterteig machen :-) !

Stimmt! Es ist genau der Schmiedevorgang, welchen wir als Damastherstellung bezeichnen, nur damals hieß er noch nicht so.

Erst durch das "Kneten und Falten" wird eine Homogenität (Gleichmäßigkeit) im Stahl erreicht. Die Legierungsbestandteile, insbesondere der Kohlenstoff, verteilt sich im Werkstück.

Je nachdem, wie man das Werkstück im Feuer behandelt, kann der Schmied den Kohlenstoffgehalt steuern und auch die "schädlichen" Bestandteile aus dem Eisenwerkstoff entfernen.

Natürlich bleiben kleine Unterschiede an den Randzonen der einzelnen Schichten bestehen. Hierdurch werden dann diese Schichten im Material, oder fertigen Werkstück (z.B. poliertem Schwert), sichtbar. Es zeichnet sich ein Muster ab, das wir heute "Damast" nennen.

Am Anfang wurde diesen Mustern auf der Klinge nicht viel Beachtung geschenkt. Erst mit der Zeit wurden diese interessanten Linien auf dem Stahl als "Still- und Kunstmittel" benutzt.

Du findest solche "ursprüngliche" Damastmuster auf z.B. Samuraischwertern, welche noch traditionell hergestellt wurden/werden.

Angefangen, und nachweisbar, hat diese Verarbeitungstechnik in der späten La-Téne-Zeit und fand dann ihre Blütezeit in Europa im 7.-8.Jahrhundert n.Chr.

Die Technik des Faltens war also schon lange bekannt, und nun kam noch ein weiterer technologischer Fortschritt hinzu. Dem Schmied standen immer bessere Eisen- und Stahlsorten zur Verfügung, was durch bessere Verhüttungsmethoden und ausgeklügelte Schmiedeverarbeitungsweisen möglich wurde. Weiches, kohlenstoffarmes Eisen wurde mit härtbarem, kohlenstoffreichem Stahl gezielt von den Schmieden kombiniert (siehe hierzu auch den Artikel KATANA).

"Wertvoller & teurer"Stahl wurde in "weiches & billiges" Eisen einlamiert! Die Eigenschaften beider Materialien, Elastizität von Eisen und Härte von Stahl, wurden miteinander kombiniert. Durch das unterschiedliche Gefügebild nach dem Härten ändert sich auch das optische Erscheinungsbild. Der gehärte Stahl erscheint dunkler als das weiche Eisen.

Durch Ätzen in Säure kann dieses Erscheinungsbild noch verstärkt werden.  Je mehr Faltungen oder "Laminatschichten" man als Schmied macht, desto "lebendiger" und feinschichtiger werden die Muster. Durch geschicktes Schmieden können dann auch wunderschöne regelmäßige Muster erzeugt werden.  Hierfür werden die geschichteten Damastgrundwerkstücke verdreht, gespalten, versetzt geschichtet, gekerbt,... sprich alle Schmiedetechniken eingesetzt.

Am Ende steht nicht z.B. nicht nur ein technologisch hervorragendes Schwert, sondern auch ein wunderschönes Kunstwerk!

 

In unserem Kulturkreis ist nach der Blütezeit im 7.- 8. Jahrhundert das Damaszieren immer mehr aus dem Schmiedealltag verschwunden. Es war einfach nicht mehr nötig, da immer bessere Verhüttungsmethoden immer bessere Stahlsorten hervorbrachten. In Europa ging das Wissen verloren. Erst während der Zeit der "Türkenkriege" wurden diese Herstellungsart wieder bei uns entdeckt. Die erbeuteten Messer,Säbel und Feuerwaffen waren von so beeindruckender Kunstfertigkeit, dass es zu einer starken Nachfrage an den europäischen Höfen kam.

Eine der Hochburgen der Herstellung dieser Waffen war DAMASKUS im heutigen Syrien. Im Zuge der Zeit wurde daraus die Bezeichnung Damaszener-Stahl.

Zur Herstellung von DAMAST:

 

Der Anfang eines Damastpaketes beginnt mit der abwechselnden Schichtung von Eisen und Stahl, wobei die äußeren Schichten immer Eisen sind!!!

Durch "Feuerverschweißen" werden nun die einzelnen Schichten miteinander verbunden.

Die Kunst ist es genau die Temperatur zu erwischen, bei der das Paket die Schweißtemperatur erreicht. Da kohlenstoffarmes Eisen eine hohe Schweißtemperatur hat (ca. 1200 Grad Celsius), aber Stahl eine niedrige (ca. 1050 - 1100 Grad Celsius), ist das also immer ein "Spaziergang auf Messers Schneide". Ist die Temperatur für den Stahl zu hoch, verbrennt der Kohlenstoff im Stahl. Wird mit einer zu niedrigen Temperatur versucht zu verschweißen ist das Eisen noch nicht bereit und es erfolgt keine Verbindung der einzelnen Schichten. Damit eine Oxidation in der Esse verhindert wird kommen schützende Flußmittel zum Einsatz. (Hierfür den Artikel "Erde" anschauen).

Das Paket wird ausgeschmiedet und in die gewünschte Form gebracht, um die nächste "Faltung" vorzubereiten. Mit jeder Faltung verdoppelt sich die Anzahl der Schichten/Lagen. Fängst du mit 3 Schichten an, hast du nach 10 Faltungen dann 1556 Schichten!!!

Der Hacken bei der Sache ist der, dass bei jeder Faltung ein Fehler passieren kann, und die Schweißung nicht funktioniert. Oftmals wird dann dies erst bei der Fertigstellung der Klinge (Polieren, Härten) festgestellt, dann war die Arbeit umsonst und das Werkstück SCHROTT.

 

Schau vielleicht auch mal auf den Artikel "Panzermesser". Auch kann ich dir die Bücher von Heinz Denig "Alte Schmiedekunst / Damaszenerstahl" empfehlen. Die Bücher findest in der Bücherliste aufgelistet.

 


Praxistipps:

 

Als nicht härtbaren Eisenanteil nehmen wir 

  • Reineisen
  • Buttereisen
  • ST37 / Baustahl

Diese Sorten zeichnen sich im Damast als "helle Schichten" ab.

 

Als härtbaren Stahlanteil verwenden wir in der Schmiede gerne folgende Stahlsorten:

  • 1.1563
  • 1.1573
  • 0.2842
  • 0.2510
  • 0.2515
  • 50 Mn 7 (wenn noch aufzutreiben!)
  • 45 Mn 7 (wenn noch aufzutreiben!)
  • alte Feilen (es funktionieren nur wirklich alte Feilen, da diese nicht nur an der Oberfläche mit Kohlenstoff angereichert sind!)
  • Federstahl, aus alten Blattfedern und Spiralfedern

Mit den aufgeführten Stahl- und Eisensorten gelingt das Feuerschweißen recht gut und du erhälst eine schöne, kontrastreiche Zeichnung des Damastes.

 

Als Buchtipp kann ich die Bücher von Heinz Denig empfehlen. Diese findest du in der Bücherliste.

 

Da eine wichtige Sache für Schmiede aber die Wiederverwertung ist, versuche doch einfach mal Kombinationen mit Materialien, welche in der Werkstatt gerade zur Verfügung stehen, oder die sich im Schrott befinden. Machen wir hier in der Telchinen-Schmiede die meiste Zeit. Manchmal wird was draus, ab und zu fliegt das geschmiedete Werkstück in die Ecke!  :-)

 

 


Viel der Worte, aber vielleicht hast auch noch Lust auf ein Video. Zeigt recht gut, wie die Damastherstellung funktioniert:



MOOCit-Frage 

 

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Kohlenstoffgehalt und der Schweißtemperatur beim Feuerschweißen?

 

Je höher der Kohlenstoffgehalt im Stahl, desto niedriger die Schweißtemperatur!

 

PS: Liegen die Schweißtemperaturen der unterschiedlichen Stähle des Damastpaketes zu weit auseinander wird es extrem schwierig, bis unmöglich, eine Feuerschweißung durchzuführen!!!