Erde

 

Was hat denn Erde mit einer Schmiede zu tun?

Sicher, Eisenerz und Kohle kommen daher, aber das meine ich hier gar nicht.

Da gibt es noch mehr in der Erde, was sich verwenden lässt.

Die Sachen, die ihr hier aufgelistet findet, helfen euch die Oxidation zu verhindern, oder zu reduzieren. Besonders beim Feuerverschweißen und der Damastherstellung ist dies eminent wichtig.

Gelangt Sauerstoff bei der Damastherstellung während der Schweißung zwischen die Eisen-/Stahl-Schichten, dann können diese sich nicht verbinden. Das Endergebnis siehst du rechts im Bild. Das Werkstück ist ruiniert.

Quarzsand

Die günstigste und einfachste Methode, eine Schutzschicht um das heiße Werkstück zu bekommen.

Quarzsand findest in jedem Baumarkt. Sollte eine feine-sehr feine Körnung haben. Kurz bevor das Metall den Haltepunkt (ca.1100-1300°C, bei dem der Werkstoff vom festen in den flüssigen Zustand übergeht; wie ein festerer Brotteig) erreicht, wird der Quarzsand über das Werkstück gestreut. Es bildet sich eine Glasschicht, welche den Stahl/das Eisen vor dem Sauerstoff in der Luft schützt.

Wenn man den Zunder, der sich ja um den Amboss immer wieder ansammelt, fein zermahlen dem Sand beimischt, dann kann man die Bildung einer schützenden Glashaut verbessern. 10% Zunder / 90% Quarzsand sind eine recht erfolgversprechende Mischung. Der Quarzsand muss trocken sein!!!

Borax

Borax, ist ein natürlich vorkommendes Mineral. Im Prinzip funktioniert die Anwendung ähnlich wie beim Quarzsand.

Was sich ändert ist der Temperaturbereich zum Aufbringen. Bei ca. 850°C wird das Werkstück komplett mit Borax überstreut. Dieses schmilzt dann sofort und bildet eine Schutzschicht. Borax ist nicht so temperaturbeständig wie Quarzsand und deshalb für "hohe" Schweißtemperaturen" nicht besonders geeignet. Vor allem bei der Damastherstellung muss man sehr genau den Temperaturbereich am unteren Haltepunkt treffen.

Ein weiterer Nachteil ist die Gesundheitsgefährdung durch das Mineral.

Viele Messerschmiede, die Damast herstellen, verwenden Borax und oftmals auch in großen Mengen (könnt ja mal Videos anschauen). Da die Anwendung "relativ" einfach ist, ist dies verständlich, aber ich bezweifle mal, dass sich die meisten Schmiede der Gefährdung bewusst sind.

Bei bestimmten Schmiedetechniken und in sehr moderater Menge benutze auch ich Borax.

 

Lehm/Ton

Das Gleiche zu machen wie bei Sand und Borax, wird bei Lehm nicht funktionieren. Kannst ja mal einen Lehmbatzen in die Esse schmeißen und warten bis sich eine Schutzschicht bildet. Wird nicht funktionieren, aber ein Versuch ist es ja wert :-)

Lehm wird im japanischen Raum noch sehr häufig benutzt, insbesondere bei traditionellen Schmiedetechniken.

Lehm findet sich auch in der Steinkohle und die Reste seht ihr dann als Schlackekuchen in der Esse. Was da als unerwünschtes Überbleibsel rumliegt, kann man aber auch gezielt einsetzen.

Wird der sehr feine Ton in Wasser aufgelöst und diese wässrige Lösung über das heiße Schmiedestück gegossen, verdampft das Wasser und der Lehm bleibt als Schutzschicht zurück. Diese Schicht ist sehr robust und ihr macht es auch nicht so viel aus, wenn das Werkstück in der Esse mal bewegt wird. Durch den hohen Schmelzpunkt von Ton kann man damit an das obere Ende der Haltepunkttemperatur gehen, also kurz bevor der Kohlenstoff im Werkstoff verbrennt.

Bei bestimmten Schmiedetechniken eine sehr gute Möglichkeit, wobei du immer bedenken musst, jede hohe Hitze beim Schmieden verschlechtert den Werkstoff, z.B. Entkohlung. Diese Technik wird also in der Gasesse zu einer starken Verschlechterung des Stahles führen, wogegen im Holzkohlefeuer die Beeinträchtigungen sich in Grenzen halten.

 

Lehmmischungen werden auch beim Härten von Stahl eingesetzt. Aufgebracht auf Klingen wird z.B. damit eine "Härtelinie", in Japan HAMON genannt, erzeugt.

Dieses Verfahren ist sehr zeitaufwändig und erfordert sehr viel Erfahrung. Die Rezepte für die Lehmmischungen hütet jeder Schmied wie ein Geheimnis.

Falls du mal ein "günstiges" Messer oder Schwert mit einer Härtelinie siehst, kannst fast sicher sein, dass hier geschummelt wurde (Ätzen, Schleifen, Bürsten,...). Wenn du ein teures Kunstwerk angeboten bekommst, dann lasse es bitte von einem "Experten" begutachten. Ist nur ein Tipp um Geld zu sparen :-)


MOOCit-Frage

 

Warum verwendet man Borax, Lehm und/oder Sand in der Schmiede?

 

Durch Borax, Lehm und/oder Sand wird verhindert, das während des Schweißprozesses Sauerstoff an die Oberfläche des Werkstückes gelangt. Lässt man den Sauerstoff mit dem Werkstück ungehindert reagieren , bildet sich Eisenoxid an der Oberfläche des Werkstückes und ein Verschweißen ist nicht mehr möglich.