Projekt Fixie/T.I.Raleigh

Das neue Jahr 2017 hat begonnen und eine neue berufliche Aufgabe auch.

BIB heißt der neue Arbeitgeber, mit dem Projekt "Kette & Kurbel".

Tja, was macht man denn da?

Einfach ausgedrückt, man haucht alten und defekten Gebrauchträdern neues Leben ein und gibt sein berufliches Wissen an die Teilnehmer weiter.

 

Jetzt liegt bei mir in der Schmiede seit Jahrzehnten ein kleiner Schatz herum.

Ein Schatz, Gold, Silber, Edelsteine, etc..., leider nicht ganz, aber fast!

 

Angefangen hat die Sache mit der Auflösung der Rennsportabteilung von Raleigh in Nottingham/England. Ein sehr guter Freund war zu dieser Zeit in diesem Werk. Dieses Werk war in den 70ern sozusagen die "Formel-1-Schmiede" des Radsports. Hochwertige Stahlrahmen wurden hier in Handarbeit von den besten Rahmenbauern passgenau für die Radsportprofis gefertigt.

 

Im Oktober 1974 wurde Dietrich Thurau in die T.I.-Raleigh-Mannschaft aufgenommen. Als er 1977, als 22-jähriger Newcomer, gegen Eddy Merckx brillierte, hat er dies mit einem Edelrahmen aus dem Werk in Nothingham bewerkstelligt.

Zehn Rahmen wurden damals für Didi Thurau gefertigt, um die Saison zu bestreiten. Wie damals üblich wurde ein Rahmen als Muster im Werk zurückbehalten.

Genau dieser Rahmen liegt nun seit Jahren bei mir in der Schmiede rum und geriet irgendwie in Vergessenheit.

 

Was machst jetzt damit? LEBEN EINHAUCHEN, in Form eines Fixie-Umbaus im Rahmen des Qualifizierungsprojektes "KETTE & KURBEL".

Dabei wurden den Teilnehmern die folgenden Fertigkeiten näher gebracht:

  • Montage- und Fertigungstechniken
  • Fräsen
  • Gewinde schneiden und bestimmen
  • Passungen anfertigen
  • Holzlenker herstellen
  • Komponentenzusammenstellung
  • Design entwickeln
  • Präsentation und Verkaufsvorbereitung
  • Internet
  • Warenwirtschaft und Kalkulation
  • Fahrradphysik und Biomechanik
  • Lederarbeiten

Und dann gibt es auch noch einen anderen Grund. Ab und an ist es einfach auch mal notwendig was "Schönes" anzufertigen und nicht nur an einem rostigen und alten Rad rumzuschrauben.

Da macht dann die Arbeit doch gleich richtig Spaß!

 

Wenn dann auch noch Radsportgeschichte lebendig wird und an einem kleinen "Denkmal" für einen der bekanntesten deutschen Radprofis schraubt, ist die Sache doch perfekt, oder?

 

Die einen sagen so, die anderen so. Wir wollten den Rahmen mit unserer Interpretation von Edel & Stillvoll aufbauen, deshalb verzichteten wir auf die orginalgetreue Restaurierung und haben uns für das Konzept eines Fixies entschieden.

 


Besonderheiten


Vorderrad mit Wurzeleinspeichung
Vorderrad mit Wurzeleinspeichung

1.Vorderrad

 

Das Vorderrad wurde mit einer Wurzeleinspeichung versehen.

Was bringt diese Einspeichtechnik?

Durch das "Verzwirbeln" der Speichen an den Kreuzungspunkten stützen sich die Speichen gegenseitig ab. Dies bewirkt eine Erhöhung der Seitensteifigkeit des Laufrades.

Ansonsten, sieht die Sache einfach COOL aus!

 

Wichtig, für alle die es nachmachen wollen, eine Wurzeleinspeichung kann Drehmomente (Antriebskräfte oder Bremskräfte von Scheibenbremsen) nicht übertragen!


Speichenverlötung am Kreuzungspunkt
Speichenverlötung am Kreuzungspunkt

2.Hinterrad

 

Die Speichen am Hinterrad sind an den Kreuzungspunkten verlötet. Hierdurch wird die Seitensteifigkeit erhöht (siehe Vorderrad) und man kann Drehmomente übertragen.

 

Wichtig ist hierbei, dass der Kupferdraht sehr straff gewickelt wird! Mach ich das nicht, sieht es toll aus, hat aber keine Funktion.


3.Lenker

 

Der Lenker ist aus Holz. Normalerweise würde man sagen, das hält nicht, ist aber falsch! Holz ist ein extrem stabiler und gleichzeitig elastischer Werkstoff.

Warum macht man denn sowas?

Ein Holzlenker dämpft die feinen Vibrationen die durch Fahrbahnunebenheiten entstehen. Viele Radfahrer kennen das Gefühl von tauben Fingern. In dem man die Schwingungen aus dem Lenker nimmt kann man dem Taubheitsgefühl vorbeugen.

Auf dem Bild siehst du einen Lenker aus Eichenholz. Dieser wurde komplett von Hand bearbeitet. Gehobelt, geschnitzt und geschliffen, kein Maschineneinsatz, und trotzdem passgenau auf einen runden Durchmesser von 25,4mm gefertigt. Was ein bisschen Geduld und Zeit ausmacht! Irgendwie vergisst man immer wieder wie präzise Handarbeit sein kann, da man meistens Genauigkeit mit Maschinen (CNC, Roboter,...) verknüpft.

Verschieden Lenker aus Schichtholz sind noch in Arbeit, aber da ist der Fertigungsprozess durch die Verklebung der Schichten aufwendiger. Macht man dann noch Biegungen, dann wird es schwierig. Um diese Aufgabe zu bewerkstelligen, hilft der Profi aus der Holzwerkstatt von nebenan (MdsD).

 

Wichtig!

Der Holzlenker muss sehr präzise gefertigt sein. Auch darf keine Kerbwirkung durch den Vorbau oder andere Anbauten erfolgen, sonst bricht die Sache! Auch muss er vor Feuchtigkeit dauerhaft geschützt werden (Owatrol-Öl).

 

 


Wandhalterung für Fixie-Bike
Wandhalterung für Fixie-Bike

Wandhalterung

 

Ein besonderes Fahrrad verdient einen besonderen Platz!

 

Schnöde auf dem Boden rumstehen kann ja schließlich jedes Zweirad, aber wir geben dem Objekt der Begierde einen Platz in Augenhöhe.

Die Manufaktur der schönen Dinge  hat uns hierfür einen Wandhalter für das Fahrrad und das Trikot gemacht. Was ich richtig witzig finde, sind die kleinen "Stricksocken" aus dicker Wolle um den Lack zu schützen.


Leder-Accessoires

 

Die Ledertasche ist ein wahrer "Hingucker"! Holz und Leder wurden perfekt kombiniert. Die Nähte sind ein wahrer Augenschmaus und verleihen der Tasche einen edlen und eleganten Look.

Schau es einfach an und du weißt, was ich meine!


Weil es richtig viel Spaß gemacht hat und jede Menge Ideen gesammelt wurden und noch immer kommen, haben wir beschlossen eine kleine "Produktion" zu starten.

In der Bildergalerie findest die Ergebnisse!


0 Kommentare