Zwei harte schöne Wochenenden!


Nach einem dringend benötigten Urlaub, was macht man da?

Richtig! Man lässt gleich zwei Wochenenden an der Esse folgen.

 

Erster Akt:

Rein in unser feuerrotes Spielmobil und ab Richtung Thüringen in das 320 km entfernte Steinbach-Hallenberg zum Schmiedetreffen. So der Plan!  Nach so 100 km verpuffte der Plan wie die pünktliche Eröffnung des Berliner Flughafens. Stau!! 

Jetzt schöpfe ich mal aus der unendlichen Weisheit, die ab und zu aus unserem Munde kommt.  Da stehen wir also im Stau und Mumu sinniert seit 2 Stunden verbal über Gott und die Welt. Ich sitze wortkarg daneben und bin, nach einer Arbeitswoche mit viel Gelaber, froh, dass ich wenigstens kein Auto habe, welches auch noch mit mir reden würde.  Ich liebe es einfach, schweigend und ohne Hirnaktivität vor mich hinzufahren! Da sitzen wir also im Auto und schauen uns den "stehend fahrenden" Verkehr und die Insassen der Fahrzeuge an. Da kommt plötzlich von der Beifahrerseite folgender Satz in meinen Gehörgang gekrochen und folgendes Gespräch kam dann in Gang.

Mumu: " Ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass da ganz viele Menschen in den Autos sitzen und die gar nicht miteinander reden ?"

Ich (Roland): "Aha."

Mumu: " Meistens sind das ältere Ehepaare. "

Ich: "Mh."

Mumu: " Die haben sich echt nichts zum erzählen. Die könnten doch über....sprechen, oder sich über....unterhalten,............., gibt es doch echt nicht, dass einem da nichts einfällt.....

Nach einer gefühlten Ewigkeit der Beschallung, eine Pause!

Ich: " Manchmal wünschte ich, wir wären ein altes Ehepaar!"

 


Nun ja, wie es so mit Wünschen ist, sie bleiben Wünsche und gehen seltenst in Erfüllung! :-) 

 

Angekommen in Thüringen, das Auto günstig direkt vor unserer Standfläche geparkt, ging es dann Richtung Innenhof im Schmiedemuseum. Puh, genau pünktlich zum Start der Band " The Abalour´s". Schon nach 10 Minuten war klar, die Abalour´s sind eine geile Band, die richtig gute Mucke machen! Ebenso war klar, das viele Bekannte wieder da sind , insbesondere Christian und Britta. Weiterhin war klar, dass der Weg zum Grill- und Bierstand eine der Hauptbeschäftigungen werden wird!

Lachen, Geschichten erzählen, richtig gute Musik hören, Thüringer Bratwürste, .... Ein wunderschöner Abend, was da wieder das Team um die Museumsleiterin Veronika Jung gezaubert haben. Dankeschön!

Jetzt war der Plan, in der Turnhalle zu übernachten.  Und, "Puff", der Flughafen war da!  Es hat in der Nacht angefangen wie aus Kübeln zu schütten. Da hatte irgendwie keiner von uns beiden Lust, mitten im Regen bis zur Halle zu latschen. Es trat also Plan B in Kraft, im Auto übernachten. Ein genialer Schachzug! Mumu zog sich die Isomatte über den Kopf  und lag auf dem Schlafsack und ich kuschelte im Sitzen noch mit dem Bremspedal. Da keiner unser Auto ausgeräumt hat, war die Liegeposition für die Sitze unmöglich. (Notiz an mich: Nächstes Mal Auto vorher ausräumen!) Der geniale Schachzug wurde dann um 4:30 Uhr mit Gliederschmerzen beendet!

 


Die folgenden Ereignisse zusammengefasst:

Aufstehen; Nachbarin kriegt sich vor Lachen nicht bei unserer Morgensportstunde; Kaffee; mehr Kaffee; noch mehr Kaffee; die Erkenntnis, dass Arbeit in Form von Schmiedezangen und Korkenzieher auf uns wartet; den Platz erkunden; viele Inspirationen; Fest am Abend; seltsame Anbetung eines historischen Holzkübels durch einen Kollegen; Aushang finden mit der genauen Anzahl der zu fertigenden Zangen und Korkenzieher; richtig Arbeit; Wind, der fast die Esse ausbläst; Steinkohlekoks ist bescheuert in der Tretesse; Bänke aus Eisen sind bequem und sehen super aus; Auch ein Thema wie "Bauhaus" lässt sich als Schmiedestück gekonnt umsetzen ;Richtig Spaß haben mit Christian, Britta, Eli und den Schmiedekollegen; viel Neues gelernt!; Freunde gewonnen!


Noch eine kleine Anekdote:

Sitzen wir am Abend gespannt wartend im Innenhof auf den Vortrag zur Ausbildung als Restaurator. Kollege sitzt mit seinen Jungs hinter uns. Da ertönt die Frage " Chef, auf was warten wir hier?" und nun die absolut geile Antwort:

"DAS GEHT DICH DOCH EINEN SCHEISSDRECK AN!"

 

Dieser Satz entwickelte sich zur allgemeinen Floskel auf so manch gestellte Frage! :-)


Zweiter Akt:

 

Das erste Wochenende überstanden und den Schlafmangel und die Gelenke wieder auf Normalzustand gesetzt.

Jetzt sitzen wir in Armins VW LT und rauschen auf der Autobahn Richtung Öschelbronn. Rauschen? Ein Blick auf den Tacho lässt uns am Gelernten aus der Fahrschule zweifeln. War da nicht die Rede von 60km/h auf der Autobahn? Berg = 50km/h = Geschwindigkeitsrausch = Zeit zum Plaudern

 

Armin fragt doch, während er konzentriert mit dem Steuerrad den LT auf Kurs hält, nach dem vorigen Wochenende.

Mein erster Gedanke, wie schön wäre es, wenn wir ein altes Ehepaar wären!

Zum Glück springt Mumu, welcher mit Hosenträgergurten auf der Rückbank fixiert sitzt (Rennwagen), als Gesprächspartner ein. Dies verschafft mir den Genuss der geistigen Leere und ich kann mich bei einem Bier dem Geschwindigkeitsrausch als Beifahrer hingeben. Toll!


In der "alten schöpf´schen Schmiede" angekommen ,erst mal die Lage checken. Wo dürfen wir uns ausbreiten und wo gibt es Verpflegung? 

Was soll ich sagen, unser Flehen wurde erhört und Andreas, Uwe, Micha, Heiko und Henry waren zur Stelle.

 

Irgendwie haben wir es mit Geländer.  Heute sollte es eine Zierstange in einem Treppengeländer sein.

PILLEPALLE! Nein , wir machen ein ganzes Segment!

Irgendwie hindert mich nie einer, solche blödsinnigen Aussagen zu machen.

Wie habe ich das Tretkurbelgebläse an der Schmiedeesse vermisst!!

Gefühlte 100.000 Tritte später war dann das Werk vollbracht und konnte eingeschweißt werden. Eine Schilflandschaft mit einer stilisierten Sonne soll es darstellen, nur so als Erklärung! :-)


Gerade noch pünktlich vor der Filmvorführung fertig geworden, um zur Belohnung mit Steak, Bier und anderen Köstlichkeiten verwöhnt zu werden. 

Ein Fest zum Abschluss mit Freunden und dazu Regen und eine kurze, seltsame Nacht auf einem Liegeklappstuhl, einem LT und einem Planenanhänger.  Am nächsten Morgen die müden Glieder zurechtbiegen, Kaffee, mehr Kaffee, viel mehr Kaffee und die Einsicht, dass der Amboss einfach viel zu schwer ist in unserem Alter!

Ab in den VW LT, den Rausch der Geschwindigkeit genießen.  Bier auf, hinsitzen und dem Stau zuschauen, Armin und Mumu unterhalten sich....

 

Einfach zwei schöne Wochenenden!


Noch an beide Veranstaltungsteams ein dickes "DANKESCHÖN"!

Toll was dort von beiden wieder auf die Füße gestellt wurde. Ein herzliches Dankeschön auch an alle Helferlein, welche oft im Verborgenen werkeln und die solche Veranstaltungen in eine gelungene Sache verwandeln.

 

Auch ein Dank an den Internationalen Fachverband gestaltender Schmiede (IFGS) für seine Arbeit und die Durchführung des Schmiedewettbewerbes in Steinbach-Hallenberg.



"Alte Schmiede" - Öschelbronn

Das Team der Alten Schmiede Öschelbronn gemeinsam auf dem Gruppenfoto mit der Telchinen-Schmiede.

Die Alte Schmiede Öschelbronn in der Innenansicht.

Wenn die Unternehmungen uns ein wenig weiter weg führen, dann setzen wir uns meistens in mein rotes Spielmobil. Für seine 350.000km steht der Kleinbus noch sehr gut da, fordert aber ab und an auch Streicheleinheiten ein.

Nun gibt es immer wieder Stimmen, die über die Streicheleinheiten lästern und die Zuverlässigkeit des Busses in Zweifel ziehen. 

Dies ist dann, glaube ich, auch einer der Gründe gewesen, warum Armin uns mit seinem Caddy fahren wollte. 

Die Fahrt beginnt und 3km später stehen wir (Armin, Mumu, Rainer und ich) im Stau und das wohlgemerkt in einer 9000 Einwohner zählenden Weltstadt. Sensationeller Start! 

"Hat jemand ein Bier wenigstens mitgenommen?"

Puh, Glück gehabt, in der Kühltasche ist Bier drin, aber warum auch WASSER? 

4km später, nach dem Stau, wurden wir erleuchtet. Armin fährt rechts ran, schnappt sich eine Flasche Wasser, schüttet den Inhalt in den Kühler und garniert diesen Vorgang mit der lässigen Bemerkung, "Haarriß, geht seit 2 Jahren so 🙂!"

Soso, und mein Bus hat eine "Öl-Diesel-Inkontinenz".

"LÄSTERPACK!" 


Eine alte Stoßmaschine in der Schmiede Öschelbronn
Stoßmaschine

Logbucheintrag:

Wir schreiben den 17.06.2018 Sternenzeit und erforschen die unendlichen Weiten nach "Alten Schmieden" und  befinden uns in einem "Haarriß-Caddy-Raumschiff" auf dem Weg zum Planeten Niefern-Öschelbronn, in der Hoffnung dort den benötigten Proviant, Bier, zu bekommen.

Die Einwohner dieses Planeten sind bereits in früher Vorzeit innovative Gesellen gewesen. So haben Sie zum Beispiel durch den selbstlos Akt das Dorf abzufackeln, dafür gesorgt, dass im ganzen Land einheitlich genormte Feuerwehr-Schlauchanschlüsse verwendet werden. 


25 Tonnen Spindelpresse
25 Tonnen Spindelpresse

Damals, nach dem Unglücksbrand 1933, war eines der wenigen Gebäude, die "Schöpf'sche Schmiede", welche nicht komplett abgebrannt ist. Die Werkstätten wurden nur geringfügig beschädigt. 

 

Und, in eben diese Schmiede, wurden wir nun eingeladen.

 

Gegründet wurde die Schmiede 1871. Über 100 Jahre wurde dort geschmiedet, bis Mitte der 1970er der Werkstattbetrieb eingestellt wurde. (Hier geht es zur Chronik der Schmiede.) 


Demonstration: Biegen eines Eisenrings für ein Kutschenrad
Demonstration: Biegen eines Eisenrings für ein Kutschenrad

Bleiben wir aber kurz in der Gegenwart.

Was war jetzt der Reiz, der Einladung zu folgen? 

Alte Zangen und Maschinen anschauen, das ist jetzt nicht der ausschlaggebende Grund. 

Es sind die Personen, die eine Idee haben und diese in ein lebendiges Technikdenkmal umgesetzt haben. Museen gibt es wirklich zuhauf, darunter auch wahre Schätze, aber das ist eine wieder lebende Schmiede.

Um Wissen, Geschichten, Erinnerungen,... in einer Dorfgemeinschaft, und darüber hinaus, am Leben zu halten, sind solche Projekte absolut wichtig. 

Eine Schmiede, in der kein Feuer brennt und nicht gehämmert wird, wie soll soetwas "Totes" Begeisterung wecken. TOLL, dass dies in Öschelbronn anders ist! Es hämmert, es qualmt, die Schmiede rufen sich Kommandos zu, es wird produziert, gelacht, gestaunt und die Besucher sind fasziniert von der "unbekannten Welt" Schmiede, die sie oft nur noch aus Erzählungen der Großeltern her kennen. 

Und weil wir zu den Neugierigen zählen sind wir nun hier in der "Alten Schmiede", schauen uns das Vereinsprojekt an und wollen natürlich auch Schmieden! 



Nach einer Führung durch die Gastgeber und einem kleinen Orientierungslauf (WC, Essen, Trinken..) über das beachtliche Gelände, wurde die Stätte der Begierde ins Visier genommen. Nach stundenlanger Besetzung der Essen und der Amboss stellte Rainer nur knapp fest: "Ich glaub, unsere Gastgeber wollten auch mal Schmieden."

Ich hoffe mal unsere Gastgeber haben es uns nicht übel genommen. :-)

 


Jedenfalls hatten wir einen riesen Spaß und sagen Danke, dass wir nun eine kleine Episode in der Geschichte der "Alten Schmiede" sind und freuen uns, wenn wir wieder zu Gast sein dürfen.

 

Wenn du also mal in der Nähe von Niefern-Öschelbronn bist, dann unbedingt dieses einmalige und liebevoll erhaltene Technikdenkmal anschauen!


Aktionbilder / Impressionen:


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